ZEISS IKON Contaflex - meine Empfehlung
nachdem ich rund 20 Exemplare wieder zu neuem Leben erweckt habe.........

-1-Will man auch heute (2012) noch analog fotografieren und sucht eine brauchbare Spiegelreflex-Kleinbildkamera, sollte man sich die Contaflex genauer ansehen. Sie ist präzise gebaut und kann bei guter Pflege und Wartung sicher noch viel älter werden, als sie ohnehin schon ist.
Die Tatsache, daß sie einen Zentralverschluss und keinen Schlitzverschluss besitzt, ist heute eher von Vorteil. Er macht weniger Probleme und verursacht bei einer fälligen Wartung oder Reparatur weniger Kosten. Geschickte Nutzer bekommen das auch selber wieder gerichtet.
-2-Das Foto links oben zeigt den von vorn geöffneten Verschluss.
Das Foto links die 2. Linse des Tessars, das für die Demontage des Verschlusses herausgeschraubt werden muß.
-3- Die Pro-Tessare (also ihre Wechselobjektive) sind hervorragend in der Abbildungsleistung und haben beispielsweise gegenüber einem M-42 Objektiv den großen Vorteil, daß sie keinerlei Mechanik besitzen, sehen wir einmal von dem Ring für die Umrechnung der Entfernung ab. Also kein Fokus und keine eigene Blende. Diese Funktionen sitzen nur an der Kamera selbst. Und wenn die funktioniert, dann macht sie das mit allen Objektiven.
Die Pro-Tessare sind Satz-Objektive. Das bedeutet: Vom Standardobjektiv, dem 4-linsigen 50 mm Tessar nimmt man die vordere Linse ab und ersetzt sie mit einem der Pro-Tessare, die 3 bis 4 Linsen besitzen. Beim Fokussieren wird immer das komplette Objektiv nach vorn oder hinten bewegt. Das führt qualitativ zu besseren Ergebnissen, als die Verstellung einzelner Linsen oder Linsengruppen. Die Satzobjektive passen natürlich nur zur Contaflex - einerseits ein Nachteil, aber heute auch ein Vorteil, denn es gibt niemanden, der sie an eine Digitalkamera anbaut. Das hat z. B die Objektive mit Leica Schraubgewinde M39 und andere Serien deutlich verteuert.
-4-Das linke Foto zeigt am ausgebauten Belichtungsmesser das für die Belichtungsanzeige verantwortliche Teil. Es spiegelt durch das Prisma dieses Bild von schräg links unten auf die rechte Seite des Sucherbildes. Angeleuchtet wird es durch das Fenster, das vorn oben links an der Kamera sitzt.
Hatte Zeiss oder die Firma Deckel mit seinem Synchro Compur Verschluss noch mehr vor? Wer genau hinschaut, wird eine Verschlusszeit von 1/1000 sek. auf der Scheibe erkennen. Hat es dann aber leider nie gegeben.

 
Der 1:1 Sucher ist groß und hell, das Scharfstellen mit Schnittbild oder Fresnelscheibe klappt auf Anhieb, auch bei schlechtem Licht. Lediglich bei Nutzung des Fernrohrvorsatzes 8X30 wird wenigstens eine Schnittbildhälfte dunkel. Für Senioren wie mich ist so ein heller Sucher von großem Vorteil. Und zusätzlich zeigt die Kamera im Sucherbild die Verschlusszeit und die Blende an, letztere aber nur im Automatikbetrieb.
-5-Das linke Foto zeigt den ausgebauten Belichtungsmesser. Interessant auch die Konstruktion der Filmrückspulung. Es gibt keine durchgehende Welle von unten nach oben - sondern eine Umlenkung über Zahnräder nach links außen.
 
Die Belichtungsautomatik bei vorgewählter Verschlussgeschwindigkeit (also die sog. Blendenautomatik) ist auch an anderen Kameras meine bevorzugte Variante. Mir reicht das so. Eine Programmautomatik wie ich sie an meiner Olympus OM-2 S nutzen könnte, schalte ich auch da kaum mal an. Und die Zeitautomatik, also Blende fest eingestellt und Verschlussgeschwindigkeit über die Automatik, mochte ich noch nie. Was nützt ein richtig belichtetes Foto, wenn es dann wegen zu langer Belichtungszeit verwackelt ist?
Die Blitzmatik möchte ich kurz ansprechen: Sie blockiert je nach Leitzahl des Blitzgerätes die Entfernungseinstellung so, dass nicht zu dicht an das Objekt herangegangen wird und auch nicht zu weit davon weg. Zusätzlich stellt sich zur passenden Leitzahl eine passende Blende ein. Alles eine Einrichtung für Blitzgeräte ohne elektronische Regelung, also heute nicht mehr so interessant. Aber ein Vorteil bei Nutzung der Contaflex Blitzautomatik ist Fakt und nützlich: wenn der Automatikbetrieb beim Blitzgerät abgeschaltet ist, leuchtet es immer mit voller Leistung und die Kamera stellt dann analog zur Entfernung kleinere Blenden ein, was der Tiefenschärfe wiederum zu Gute kommt.
-6-Die einzigartigen Wechselmagazine:
Ich arbeite gern damit, obwohl der Film komplizierter einzufädeln ist, als in der Kamera selber.
Aber sie bieten dennoch weitere Vorteile, über die bekannten hinaus:
letztens hatte ich die Kamera im Auto liegen lassen bei -10 Grad Celsius. Sie war anschließend völlig beschlagen und weil ich ohne den Film herauszunehmen die Kamera öffnen konnte, war das Problem schnell behoben.
Oder wenn es mal ganz schnell gehen soll; mehrere geladene Magazine dabei, da ist der nächste Film ganz schnell wieder schussbereit.
Auf dem Foto links ist zu sehen, wie ich es handhabe: Natürlich gibt es die 2 Einstellscheiben für Filmart und Filmemfindlichkeit, aber mit einer Lasche der Filmpackung dabei, gibt es sogar noch mehr Informationen.
-7-Ein Wermutstropfen muß natürlich auch erwähnt werden. Das ist die Stromversorgung and den Modellen mit der Cds-Zelle, also der Contaflex S oder super BC. Zum einen die nicht mehr erhältliche Batterie PX 625 (Quecksilber). Da muß man ausweichen auf die 625 U. Das Problem ist die Spannung. Hatte die Quecksilberbatterie 1,35 Volt, so hat der Ersatz 1,5 Volt. Der Elektrik machen die 0,15 Volt mehr nichts aus, aber der Messwert ändert sich etwas. Man kann an dem eingebauten Potentiometer leichte Veränderungen erreichen. Oder man ist großzügig und kümmert sich nicht weiter drum - die Ergebnisse am Foto werden kaum sichtbar sein.
Umgehen kann man diese Probleme mit einer gut funktionierenden super B (super II), mit der guten alten Selenzelle. Beide Kameras sind hier ausführlich dargestellt. Allerdings messen sie nicht durchs Objektiv.
-8- Zweiter Nachteil an den beiden oben genannten Cds-Modellen ist das Batteriefach ansich. Es ist aus "Plastik" - und das an dieser schönen alten Metallkamera (wie z. B. auch die Okulareinfassung mit der Cds-Zelle und wenige andere, kleine Teile).
Kunststoff altert, und daher haben viele Kameras an dem Riegel dieser Batterietür ihre Probleme. Bastler haben sich da ihren Kopf gemacht und eine Schraube zum Verriegeln benutzt oder Klebeband verwendet. Besser wäre es, irgend jemand baut da mal einen Ersatz, für einige ältere Kameras gibt es bei Micro-Tools auch spezielle Teile, die sich damals nicht bewährt hatten.
Zum Glück brauchen die beiden Serien nur für die Lichtmessung Strom. Bis auf die Automatik funktioniert alles ohne Strom - und das ist ein gewichtiger Vorteil.

 
Das Foto links zeigt das ausgebaute und zerlegte Batteriefach der S oder super BC. Ohne die Verriegelung, die ist mit einer kleinen Schraube in der Mitte der Tür befestigt, da wo das Schraubloch zu sehen ist. Das komplette Batteriefach ist nur auszutauschen, wenn die Kamera so weit zerlegt ist, wie die abgebildete.
 
Um diesen Nachteil mit der Batterie auszugleichen, habe ich zwei Umbauten vorgenommen. Sie sind ausführlich beschrieben. Bitte blättern Sie sich deshalb weiter durch meine Seiten.
Stand 17. März 2012

zur Übersicht