ZEISS IKON Contaflex Getriebe

-1-Die Contaflex besteht aus Baugruppen.
Dies ermöglichte den damaligen Reparaturbetrieben, defekte Teile komplett auszustauschen. Zeiss sorgte für Nachschub, so brauchte sich damals niemand mit einem Belichtungsmesser herum quälen oder gar mit dem Getriebe.
Die Arbeiten an der Contaflex sind eher anspruchsvoll als einfach. Wenn der Haupt-Mechanismus, also Spannen, Auslösen, und Filmtransport nicht mehr funktioniert, dann muß man das Getriebe verstehen, sonst kommt die Verzweifelung eher als eine funktionierende Contaflex.
Der Fachmann sollte dafür über das entsprechende Spezialwerkzeug verfügen, der Nichtfachmann sollte improvisieren können.
Bei einem Tausch des Getriebes von einer Kamera zur anderen, wird sich nach gemachten Erfahrungen kein Erfolg einstellen. Ohne Justierung kann es nicht klappen.

Eine Feinjustierung ist hier möglich: 2 Schrauben (rote Kreise) lösen und mit der Exenterschraube (roter Pfeil) verstellen.
-2-Kurz zur Funktionsweise der Contaflex: Beginnen wir nach einer erfolgten Aufnahme: Mit dem Spannhebel wird der Film weiter transportiert, werden Lichtklappe und Spiegel nach unten gedrückt und geben den Blick durchs Prisma und dann durch den geöffneten Verschluss wieder durch das Objektiv frei. Die Lichtklappe verschließt den Bereich vor dem Film. Der Verschluß wird gespannt. Anders als bei den meisten Kameras - nicht bis zu einer festen Raste. Die Frontplatte mit ihrer Mechanik (Foto links) hat dabei einen großen Anteil. Sie können Ausschnitte dieses Bausteins bei geöffneter Rückwand von hinten in Ihrer Contaflex sehen. Die Bewegung überträgt sich von oben rechts auf den Schwenkrahmen, der über eine Zahnstange (unten in der Mitte) das Objektiv spannt und in Spannung hält, bis zur Auslösung.
Nach Auslösung läuft durch Federkraft folgendes ab: Als erstes schließt der Verschluß, deshalb wird es nach Auslösung gleich dunkel im Sucher. Spiegel und Lichtklappe werden vom Getriebe freigegeben und schnellen wieder nach oben. Jetzt ist es dunkel in der Kamera. Dann öffnet sich der Verschluß entsprechend der eingestellten Verschlussgeschwindigkeit und schließt sich wieder. Damit ist der Film belichtet und der Vorgang beendet, bis neu gespannt wird.
-3-Links auf dem Foto die Frontplatte von vorn gesehen und die Objektiv- Verschlusseinheit. An den rot eingekreisten Teilen wird der Verschluss gespannt.
Wird er nicht exakt bis zum nötigen Punkt gespannt, öffnet der Verschluss nicht richtig und gibt das Sucherbild nicht richtig frei - und was schlimmer ist, der Verschluss schließt sich zwar nach Auslösung aber öffnet sich nicht für die Aufnahme.
-4-Links das Getriebe von unten gesehen. Mit Nummer 1 rot gekennzeichnet der Schließhebel für die Lichtklappe, mit Nummer 2 der Hebel für den Spiegel, mit 3 die Verriegelung für das Film-Wechsel-Magazin (das kann man nur abnehmen bei eingestecktem Schieber und gespannter Kamera.) Über das messingfarbene Kegelrad oben wird die Drehbewegung zur Frontplatte übertragen. Rot eingekreist die Welle für das Zahnrad (nicht abgebildet), das den Filmtransport bewerkstelligt.
-5-Ansicht des Getriebes von hinten in Ruhestellung mit aufgesetztem Spannhebel. Im roten Rahmen sieht man die Aussparung im Spannhebel, die den Mitnehmer umfasst und immer 180 gradweise, das Getriebe spannt. Mit dem Pfeil gekennzeichnet ist die große Feder für das Getriebe.
-6-Eine Großaufnahme vom Getriebe, von der Kamerainnenseite nach rechts außen gesehen.
Hier ist die Justierung, von der alles abhängt.
Das große Messingzahnrad mit dem darunter angebrachten Kegelrad (rote Pfeile) ist mit 3 Schrauben aneinander geschraubt. Die beiden Räder lassen sich, wenn die 3 Schrauben etwas gelockert wurden, gegeneinander frei verdrehen. Das Lösen der Schrauben geschieht durch 2 Öffnungen oben auf der Platine. 2 Schrauben erreicht man im gespannten Zustand, die andere im halbgespannten Zustand unter Zuhilfenahme eines Schraubendrehers, mit dem man einen Hebel beiseite drücken muß.
Das Getriebe muß hierfür eingebaut sein! Mit der Justierung nimmt man die Leerwege zwischen den vielen Zahnrädern und anderen Übertragungen weg und setzt das Ganze etwas mehr unter Spannung, so daß die 180 Grad Bewegung des Spannhebels ausreicht, alles bis zum richtigen Punkt zu bewegen. Vor allem, die Verschlusslamellen voll zu öffnen. Es gibt dafür ein Spezialwerkzeug - aber wer hat das schon?
-7-Durch die runde Öffnung vorn setzt man das Spezialwerkzeug an, oder einen kleinen Schraubendreher. Man hält die Stellung an den sichtbaren Zähnen fest und verdreht den unteren, stahlfarbenen Teil des großen Zahnrades, bis das Spiel knapper wird. 1/6 bis 1/8 Umdrehung sollte reichen. Dann muß man wenigstens eine der 3 Schrauben des Zahnrades wieder festziehen und anschließend mit Spannen und Entspannen der Kamera auch die anderen zwei.
Jetzt sollte sich der Verschluß richtig öffnen und auch die Verschlußzeiten müßten laufen. Eine weitere Feinjustierung ist dann noch möglich in der Kamera, an der schon beschriebenen Zahnstange (siehe Punkt 2) und oben an der Seite des Getriebes, ebenfalls mit einem Exenter.
-8-Hat man das alles geschafft, ist die richtige Platzierung der restlichen Teile fast schon ein Kinderspiel. Gutes Gelingen!
Stand 03. April 2012

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